Recycling ist keine Lüge

Eine Woche ist vergangen, seit die ARD den Dokumentationsfilm „Die Recyclinglüge“ ausgestrahlt hat. In dieser Woche haben sich viele aus unserem Netzwerk – also größtenteils Stakeholder der Kreislaufwirtschaft – kritisch zu den Darstellungen des Films geäußert. Anstatt es nun dabei zu belassen, wollen auch wir noch einmal Stellung beziehen. Denn die Botschaft, die den Zuschauerinnen und Zuschauern der Dokumentation vermittelt wird, ist aus unserer Sicht zu gefährlich, als dass wir sie unkommentiert lassen könnten.

 

Eine der wichtigsten Lösungen im Kampf gegen die Ressourcenknappheit

Recycling ist alternativlos und eine der wichtigsten Lösungen im globalen Kampf gegen die Ressourcenknappheit. Wir sehen in Deutschland und in der EU in den vergangenen Monaten und Jahren sehr starke und positive Entwicklungen, was Infrastruktur, Technologie und gesetzliche Rahmenbedingungen betrifft. Auch uns ist klar: Wir haben gerade beim Kunststoffrecycling noch einige Herausforderungen zu bewältigen. Und an der Bewältigung dieser Herausforderungen arbeitet eine gesamte Branche mit Hochdruck. Die Arbeit dieser Branche als Lüge zu bezeichnen, gefährdet die positive Entwicklung und – um es mit den Worten von BDE-Präsident Peter Kurth zu sagen – erweist damit Umwelt- und Klimaschutz einen Bärendienst.

Selbstverständlich macht die ARD auch einige richtige und wichtige Punkte. Schwarze Schafe innerhalb unserer Branche, die mit illegalem Abfallhandel und -Export Geld verdienen, gehören verfolgt und zur Rechenschaft gezogen. Auch Greenwashing-Modelle, die sich nur scheinbar für Umwelt und Klima einsetzen, sind ein Problem. Und auch die Darstellung der dramatischen Zustände in Regionen dieser Welt, in denen es keine funktionierende Infrastruktur für die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Abfällen gibt, ist eine wichtige Botschaft. Sie zeigt, dass Deutschland als Vorreiter Verantwortung übernehmen muss, um eben diese Infrastruktur auch in diesen Regionen zu ermöglichen – durch die Bereitstellung von Know-how und Technologie, durch den Aufbau von funktionierenden Systemen. Diese Punkte sind notwendig, denn moderne Kreislaufwirtschaft muss global gedacht werden.

 

Kreislaufwirtschaft funktioniert – gemeinsam und global

Dennoch bleibt die zentrale Aussage des Films falsch. Gute Recyclingergebnisse sind abhängig vom Entsorgungsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher. Wenn Abfälle korrekt getrennt und entsorgt werden, können sie anschließend als wertvolle Ressourcen sehr gut im Kreislauf gehalten werden. Abfälle, die im Restmüll landen, sind hingegen verloren. Wenn Verbraucherinnen und Verbrauchern nun erzählt wird, Recycling sei ohnehin eine einzige Lüge, dann wird sich das negativ auf das Entsorgungsverhalten und damit auch negativ auf die Recyclingquoten auswirken.

Wir sind überzeugt davon, dass wir als Branche in die richtige Richtung arbeiten und bereits heute einen wichtigen Beitrag leisten, der in Zukunft immer größer werden wird. Mit dem kreislaufwirtschaftlichen Fokus im Koalitionsvertrag und dem europäischen Green Deal mit einem zentralen „CEAP“ (Circular Economy Action Plan) erhält die Kreislaufwirtschaft zudem auch auf politischer Ebene die notwendige Aufmerksamkeit. Nun muss die Industrie ihre Hausaufgaben machen und auf die Entwicklung nachhaltiger und recyclingfähiger Verpackungen setzen. Nur wenn wir alle gemeinsam arbeiten und unseren Teil beitragen, können wir eine funktionierende und moderne Kreislaufwirtschaft ermöglichen und damit einen unverzichtbaren Beitrag für die Ressourcenschonung, die Energieeinsparung und den Klimaschutz leisten. Und von diesem Ziel lassen wir uns nicht durch eine ARD-Dokumentation abbringen.

Dr. Fritz Flanderka
Dr. Fritz Flanderka, Mitglied der Geschäftsführung der Reclay Group

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