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Methodik und Aussagekraft von Klimabilanzen

Paul Mußler, Dr. Sebastian Wolfgarten, Dr. Andrea Paulus 

Der Klimawandel hat sich in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion als ein bedeutendes Thema des 21. Jahrhunderts etabliert. Ursache des anthropogenen Klimawandels sind die weltweit zunehmenden Treibhausgasemissionen durch die fortschreitende Industrialisierung. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bedingt somit einen Wandel der bestehenden Produktionsstrukturen, der auf innovativen sowie effizienten Technologien und dem Ausbau regenerativer Energieträger basiert. Dieser Auffassung schließen sich mehr und mehr politische Entscheidungsträger, Verbraucher, Einzelhandelsunternehmen und Investoren an, die mit unterschiedlichen Ansätzen auf den Klimawandel reagieren.

Der erste Schritt zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen ist deren möglichst genaue und nachvollziehbare Berechnung. Die Bilanzierung der Treibhausgasemissionen ermöglicht die Identifizierung von Emissionstreibern und bildet die Grundlage für Reduktionsmaßnahmen. Für die Berechnung dieser sogenannten „Carbon Footprints“ haben sich internationale Methoden etabliert, die auch eine extern verifizierbare Betrachtung der ausgestoßenen Treibhausgase ermöglichen.

Eine Klimabilanz ist aber keine umfängliche Umweltbilanz. Die Bewertung eines Unternehmens oder Produktes etc. bezieht sich lediglich auf die Treibhausgasemissionen. Weitere Umwelteinflüsse wie Wasserverbrauch, Abfallmenge etc. werden nicht betrachtet. Für die Betrachtung der gesamten Umweltauswirkungen sind die ISO 14040 und 14044 als Richtlinien für eine Ökobilanz das relevante Berechnungsinstrument. Allerdings ist die Erstellung eines Carbon Footprints, in Anlehnung an die geltenden Normen, ein Bestandteil der Ökobilanz und kann somit jederzeit in Kombination mit weiteren Umweltwirkungen in eine allumfassende Ökobilanz einfließen.

Ein wesentlicher Vorteil des Carbon Footprints gegenüber einer umfassenden Umweltbilanz ist deren Quantifizierbarkeit. So lässt sich genau in Tonnen oder Kilogramm berechnen wie groß der Treibhauseffekt, z.B. einer Autofahrt von Hamburg nach Berlin, ist. Dies erfolgt, in diesem Beispiel, durch die Messung des verbrauchten Diesel- oder Benzinkraftstoffs und der Multiplikation des Treibstoffs mit dem kraftstoffspezifischen Emissionsfaktor. Für das Beispiel einer Autofahrt wäre das Ergebnis: 20 Liter Benzinverbrauch multipliziert mit dem Emissionsfaktor für Benzin von 2,33 kg CO2 / l Benzin. Dies führt in der Summe zu 53 kg CO2 (LFU 2009). So wie das Beispiel der Autofahrt gezeigt hat verursacht typischerweise jeder auf fossilen Energieträgern basierende Produktionsprozess im Unternehmen Treibhausgasemissionen. Diese können zusammengefasst als standortbezogene Werte, z.B. eines Jahres, ermittelt werden. Ebenso verursacht jedes Produkt entlang seines Lebensweges CO2-Emissionen, z.B. durch den An- oder Abbau von Rohstoffen oder Ressourcen- und Energieverbräuchen, die Nutzung, Entsorgung oder das Recycling.

Vor allem die produkt- und standortbezogene Klimabilanz (sogenannte „Product Carbon Footprints“ und „Corporate Carbon Footprints“) etabliert sich zunehmend als Messgröße für unternehmerisches Handeln, an der sich Geschäftskunden, Konsumenten und Investoren orientieren.

In den folgenden Kapiteln werden die Vorteile der Klimabilanzen und der unternehmerische Handlungsdruck zur Veröffentlichung der produkt- oder standortbezogenen Emissionen dargestellt sowie die Methoden zur Bilanzierung und die Möglichkeiten der öffentlichen Darstellung der Bilanzierungsergebnisse erläutert. Die Beschreibung der Berechnungsgrundlagen wird mit Beispielen aus der Praxis versehen, um nicht nur ein Bild der Methoden sondern auch einen Einblick in die Umsetzung und konkreten Berechnungen zu ermöglichen. Abschließend wagen die Autoren einen Ausblick der zukünftigen Bedeutung von Klimabilanzen für Unternehmen.

Ansprechpartnerin

Sabine Junge

Leiterin Unternehmens-
kommunikation

Tel.: 0221 580098-22
Fax: 0221 580098-777
junge(at)reclay-group.com

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