Carbon Footprints zur Minderung von unternehmens- und produktbezogenen Treibhausgasen
Paul Mußler, RE|CARBON Deutschland GmbH
Der Klimawandel hat sich in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion als eines der bedeutendsten Themen des 21. Jahrhunderts etabliert. Ursache des anthropogen verursachten Klimawandels sind die weltweit zunehmenden Treibhausgasemissionen durch die fortschreitende Industrialisierung. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bedingt somit einen Wandel der bestehenden Produktionsstrukturen, der auf innovative sowie effiziente Technologien und den Ausbau regenerativer Energieträger basiert. Zur Erreichung dieses Ziels wurden auf nationaler und internationaler Ebene verschiedene politische Maßnahmen initiiert, wie das Europäische Emissionshandelsgesetz, Förderprogramme zum Ausbau Erneuerbarer Energieträger oder das im August 2007 von der Bundesregierung in Meseberg verabschiedete Energie- und Klimaprogramm.
Parallel zu dieser politischen Entwicklung ist auch das Interesse zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Bevölkerung stark gestiegen. Knapp 60 % der europäischen Bürger gaben in einer Umfrage an, bereits eigene Maßnahmen wie etwa eine Änderung ihres Konsumverhaltens zur Bekämpfung des Klimawandels ergriffen zu haben. Gleichzeitig zeigen sich über 80 % der Bundesbürger davon überzeugt, durch ihr Konsumverhalten wesentlich zum Umweltschutz beitragen zu können. Dieses ausgeprägte Bewusstsein der eigenen Wirkungskraft deckt sich auch mit einer Untersuchung des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2007, die zu dem Ergebnis kommt, dass ca. 40 % der jährlichen Pro-Kopf-Emissionen an Treibhausgasen auf privaten Konsum zurückzuführen sind.
Nicht zuletzt aufgrund des in der Bevölkerung gestiegenen Bewusstseins für den Klimawandel, begreifen zunehmend auch Unternehmen dieses Feld als Möglichkeit, um sich zu differenzieren und sich damit Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. In diesem Licht verpflichteten sich mittlerweile zwei der vier weltweit größten Einzelhandelsunternehmen – Wall-Mart und Tesco – öffentlichkeitswirksam dazu, die Treibhausgasemissionen der einzelnen Produkte in ihrem Sortiment ausweisen zu wollen.
Weitere Initiativen des Einzelhandels umfassen
- die Berechnung der Treibhausgasemissionen von 60 Bio-Produkten, die sich bei Hofer - der österreichischen Firmierung von Aldi - im Sortiment befinden,
- eine Ausweisung der „CO2-Champions“ in der Produktpalette der Schweizer Lebensmittelkette Migros und
- eine Initiative der französischen Supermarktkette Casino zur Kennzeichnung der Klimabelastung ihrer Produkte.
Zusätzlicher Handlungsdruck geht von zahlreichen institutionellen Investoren aus, die sich von Informationen über Berichte zu den unternehmensweiten Treibhausgasemissionen Aufschluss darüber erhoffen, wie Unternehmen ihre Emissionen managen und wie gut sie auf den Klimawandel vorbereitet sind. Immerhin 82 % der 500 weltweit umsatzstärksten Konzerne haben auf Druck von 475 Großanlegen mit einem verwalteten Vermögen von 37 Billionen Euro im Rahmen des Carbon Disclosure Projects ihre Treibhausgasemissionen dargestellt, wobei große deutsche Unternehmen bei der Veröffentlichung ihrer Klimaauswirkungen (noch) verhältnismäßig zurückhaltend auftreten.
Grundsätzlich ist zwischen dem Corporate Carbon Footprint und dem Product Carbon Footprint zu unterscheiden: Mit dem Product Carbon Footprint werden die produktspezifischen Treibhausgasemissionen über den Produktlebenszyklus angegeben, während der Corporate Carbon Footprint die unternehmensweiten Treibhausgasemissionen erfasst, die in Abhängigkeit von der gewählten Systemgrenze nicht nur die selbst verursachten Emissionen, sondern auch die Klimaauswirkungen von vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsprozessen berücksichtigt.
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