Carbon Footprints: ein zentraler Bestandteil von Nachhaltigkeitsstrategien
Paul Mußler, Dr. Sebastian Wolfgarten und Jessica Grede
Bei der Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten ist auf Konzernebene
eine starke Dynamik erkennbar. Gleichzeitig sind Unternehmen zunehmend
aufgefordert über die Klimabilanzen ihrer Produktionsprozesse und Produkte Auskunft zu geben. Gerade für mittelständische Unternehmen bieten Carbon Footprints vor diesem Hintergrund zahlreiche Ansatzpunkte, um die erwarteten Anforderungen von Einzelhandel und Gesetzgeber zu erfüllen, Emissions- und Kostentreiber zu identifizieren, ihre Umweltschutzaktivitäten öffentlichkeitswirksam zu präsentieren und die Grundlage für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung zu legen.
Eine nachhaltige Unternehmensausrichtung zielt vorrangig auf die positive Entwicklung von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft, durch den langfristigen Erhalt des Unternehmens, die Reduzierung von Umwelteinwirkungen und Ressourcenverbräuchen sowie den langfristigen und sozialen Umgang mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Auf dieser Basis entwickeln sich Nachhaltigkeitsberichte mit großer Geschwindigkeit zu dem wichtigsten Öffentlichkeitsinstrument von Unternehmen neben den (meist) obligatorischen Geschäftsberichten. Diese Entwicklung wurde vor allem von Großkonzernen vorangetrieben: Veröffentlichten im Jahr 2002 noch 40 % der 250 weltweit größten Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht, waren es 2008 bereits knapp 80 %. Dieser Trend wird derzeit vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) aufgegriffen. Nach einer Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission gaben 75 % der Unternehmer und Entscheider von KMU´s an, dass Nachhaltigkeitsberichte in der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen werden. Rund 50 % der Befragten beschäftigten sich zum Zeitpunkt der Befragung bereits mit dem Thema und der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten. Dem entgegen hatten zum Zeitpunkt der Befragung erst 30 % der Befragten einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht erstellt.
Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangte unsere Analyse von 400 mittelständischen Unternehmen: Nur knapp 10 % der ausgewählten Unternehmen haben ihre Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit veröffentlicht, wobei nur 5 % einen umfangreichen Nachhaltigkeitsbericht, dass heißt einen Bericht, der die Bereiche Soziales, Ökonomie und Ökologie abdeckt, vorweisen konnten. Die anderen 5 % der Berichte bezogen sich nur auf maximal zwei dieser Bereiche und orientierten sich dabei nur an wenigen Parametern, wie z.B. Ausbildungsplätze im sozialen Bereich oder Treibhausgasemissionen als Indikator für Umweltauswirkungen. Die Erstellung und Veröffentlichung von umfangreichen Nachhaltigkeitsberichten nach den Vorgaben der Global Reporting Initiative (GRI) scheitert in mittelständischen Unternehmen, nach unseren Analyseergebnissen, häufig an dem damit einhergehendem internen Aufwand und den Kosten für Verifizierung, Veröffentlichung etc.
Speziell bei mittelständischen Unternehmen umfassen die Beweggründe zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten neben der Öffentlichkeitswirksamkeit, die Erhebung und Bündelung von Informationen über die ökologischen Eigenschaften von Produkten und Prozessen in vor- und nachgelagerten Stufen des eigenen Produktionsprozesses. Hierdurch werden strategische Risiken minimiert und für die zu erwartenden Anforderungen von Abnehmern frühzeitig Weichen gestellt. Weitere Beweggründe, die häufig genannt wurden, beziehen sich auf die Abfall- und Abwasserreduzierung sowie eine Verbesserung der Mitarbeiteridentifikation und -motivation. Häufig sind die aufgeführten Motivationen jedoch nicht ausreichend um die Kosten für die Erhebung, Auswertung und Veröffentlichung der Informationen intern zu rechtfertigen.
Insbesondere im Mittelstand bietet eine Fokussierung auf Treibhausgasemissionen eine gute Alternative zu einer umfangreichen Betrachtung, da mit der Erstellung von so genannten Carbon Footprints viele Ziele eines umfangreichen Nachhaltigkeitsberichts erreicht werden können und die Bedeutung von klimawirksamen Emissionen ohnehin eine entscheidende Rolle bei der Bildung von Nachhaltigkeitsstrategien spielt. Vor diesem Hintergrund etabliert sich der Carbon Footprint als modernes und zukunftsweisendes Instrument zur Initiierung von Veränderungsprozessen und deren Kommunikation im Unternehmen und in der Öffentlichkeit.
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